Verbote und KI-Kompetenzpflicht gelten seit Februar 2025, die Transparenzpflichten seit dem 2. August 2026. Die Hochrisiko-Pflichten hat der KI-Omnibus auf den 2. Dezember 2027 verschoben (Anhang III) — Zeit, die sich für einen sauberen Aufbau nutzen lässt. Die gute Nachricht: Die Pflichten sind endlich, konkret und abarbeitbar. Diese Checkliste führt durch alle Punkte in der Reihenfolge, in der sie sinnvoll umgesetzt werden — mit Verweis auf den vertiefenden Ratgeber zu jedem Block. Wer alle Kästchen abhaken kann, hat die KI-Compliance im Griff.
Block 1: Bestandsaufnahme — wissen, was läuft
- ☐ Alle KI-Systeme erfasst — auch KI-Funktionen in Standardsoftware (CRM-Scoring, Ticket-Priorisierung, Übersetzer) und inoffiziell genutzte Tools. Wie Sie versteckte Nutzung finden, zeigt der Ratgeber zu Schatten-KI im Unternehmen.
- ☐ KI-Register angelegt mit Pflichtfeldern je System: Zweck, Nutzerkreis, Datenarten, Anbieter, Risikoklasse. Struktur liefert die KI-Register-Vorlage.
- ☐ Zweckbestimmung je System schriftlich fixiert — die Grundlage für alles Weitere und die wichtigste Versicherung gegen den unbemerkten Rollenwechsel (siehe Block 6).
Block 2: Rollen und Anwendbarkeit klären
- ☐ Rolle je System bestimmt: Betreiber (Normalfall), Anbieter, Einführer oder Händler. Die Abgrenzung erklärt der Ratgeber zu den Betreiberpflichten nach dem EU AI Act.
- ☐ Anwendbarkeit geprüft: Fällt das System überhaupt unter die Verordnung? Was seit August 2026 gilt und was noch nicht, behandelt der Ratgeber EU AI Act 2026: Was jetzt gilt.
- ☐ Verantwortliche Person benannt — ob interner KI-Koordinator oder externer KI-Beauftragter: Ohne zugewiesene Verantwortung bleibt jede Pflicht Theorie (im Prüffall: Organisationsverschulden).
Block 3: Risikoklassifizierung
- ☐ Jedes System gegen die verbotenen Praktiken (Art. 5) geprüft — z. B. Emotionserkennung am Arbeitsplatz außerhalb enger Ausnahmen. Verbotene Systeme sofort abschalten.
- ☐ Anhang-III-Check durchgeführt: Bewerberauswahl, Leistungsbewertung, Kreditwürdigkeit, kritische Infrastruktur? Dann Hochrisiko → Block 7. Details im Ratgeber zu Anhang III und Hochrisiko-KI.
- ☐ GPAI-Nutzung eingestuft: ChatGPT, Copilot & Co. bringen eigene Pflichten mit — siehe GPAI und Foundation Models.
Block 4: Basispflichten für alle Betreiber
- ☐ Art.-4-Schulungen durchgeführt und dokumentiert — rollengerecht, mit Teilnahmeliste und Verständnisnachweis. Konzept und Stufenmodell: KI-Kompetenzpflicht praktisch umsetzen; was das kostet: KI-Schulung Kosten; fertige Formate: KI-Kompetenz-Schulung.
- ☐ KI-Richtlinie verabschiedet: Was ist erlaubt, was verboten, welche Daten dürfen in welche Tools? Muster im Ratgeber KI-Richtlinie für Unternehmen.
- ☐ Art.-50-Transparenz umgesetzt: Chatbots geben sich zu erkennen; KI-generierte Inhalte mit Öffentlichkeitsbezug sind gekennzeichnet; Deepfakes offengelegt.
- ☐ Onboarding-Prozess ergänzt: Neue Mitarbeiter werden vor dem ersten KI-Einsatz geschult.
Block 5: Datenschutz-Schnittstelle
- ☐ AVV und Drittlandtransfer je KI-Tool geprüft (DSGVO läuft parallel weiter — der AI Act ersetzt sie nicht).
- ☐ Prompt-Regeln definiert: Keine personenbezogenen Daten und Geschäftsgeheimnisse in freie Prompts ohne abgesicherte Enterprise-Umgebung.
- ☐ DSFA/FRIA-Bedarf geprüft bei risikonahen Einsätzen — Anleitung: KI-Folgenabschätzung erstellen.
Block 6: Die Anbieter-Falle absichern
- ☐ Freigabeprozess für neue Einsatzzwecke etabliert — wer den Zweck eines KI-Systems eigenmächtig ausweitet (z. B. Sprachmodell als Bewerberfilter), rutscht nach Art. 25 in die Anbieterrolle.
- ☐ White-Labeling und Fine-Tuning bewertet: Eigenes Logo auf fremder KI oder wesentliche Veränderung = voller Anbieterpflichtenkatalog. Details: Konformitätsbewertung nach Art. 43 und die Leistungsseite KI-Anbieter-Compliance.
Block 7: Nur bei Hochrisiko-Systemen (Art. 26, ab 2. Dezember 2027)
- ☐ Menschliche Aufsicht organisiert — benannte, geschulte Personen mit echter Eingriffsbefugnis.
- ☐ Betrieb nach Herstellervorgaben sichergestellt (bestimmungsgemäßer Einsatz, Eingabedaten-Qualität).
- ☐ Monitoring und Meldeprozess eingerichtet: Vorfälle nach Art. 73 fristgerecht an Anbieter und Behörden.
- ☐ Grundrechte-Folgenabschätzung (Art. 27) geprüft — Pflicht u. a. für öffentliche Stellen und Kreditwürdigkeitsprüfung.
Block 8: Dokumentation und Betrieb
- ☐ Jeder Punkt mit Datum dokumentiert (revisionssicher, mindestens 5 Jahre) — die Bausteine liefert unsere KI-Dokumentation.
- ☐ Jährliche Wiedervorlage terminiert: Auffrischungsschulungen, Inventar-Review, Richtlinien-Update.
- ☐ Bußgeldrisiken dem Management berichtet — Größenordnungen im Ratgeber Bußgelder im EU AI Act.
Fazit: Abarbeiten statt aufschieben
Die Liste sieht nach viel aus, folgt aber einer einfachen Logik: erst wissen, was läuft (Block 1–3), dann die Basispflichten schließen (Block 4–6), dann die Spezialfälle (Block 7) — und alles dokumentieren (Block 8). Ein Mittelständler ohne Hochrisiko-KI schafft das in etwa 30 Tagen. Wer die Umsetzung nicht selbst stemmen will: Als externer KI-Beauftragter arbeiten wir genau diese Checkliste für Sie ab und halten sie dauerhaft aktuell — Pakete ab 250 € im Monat, Einstieg über die kostenlose Erstanalyse.
Häufige Fragen
Für wen gilt diese Checkliste?
Für jedes Unternehmen, das KI beruflich einsetzt — vom Copilot-Arbeitsplatz über KI-Funktionen in Standardsoftware bis zur eigenen KI-Entwicklung. Die meisten Punkte betreffen die Betreiberrolle nach Art. 3 Nr. 4; die letzten Abschnitte decken Hochrisiko-Systeme und den Rollenwechsel zum Anbieter ab.
Was ist der wichtigste erste Schritt?
Das KI-Inventar. Ohne vollständige Übersicht aller eingesetzten KI-Systeme — inklusive versteckter KI-Funktionen in Standardsoftware und inoffiziell genutzter Tools — lässt sich keine einzige weitere Pflicht sauber erfüllen. Erst wenn das Inventar steht, lassen sich Risikoklassen zuordnen, Schulungen zuschneiden und Kennzeichnungspflichten prüfen.
Wie lange dauert die Umsetzung der Checkliste?
Ein mittelständisches Unternehmen mit üblicher KI-Nutzung (Office-KI, ChatGPT, einzelne Tools) schafft die Basispflichten realistisch in 30 Tagen: Woche 1 Inventar, Woche 2 Klassifizierung und Richtlinie, Woche 3 Schulungen, Woche 4 Kennzeichnung und Dokumentation. Hochrisiko-Systeme brauchen deutlich länger — hier sollte die Priorität sofort auf Art. 26 liegen.
Was passiert, wenn einzelne Punkte offen bleiben?
Das Sanktionsregime gilt seit August 2025: Verstöße gegen die Transparenzpflichten nach Art. 50 und — ab dem 2. Dezember 2027 — gegen die Hochrisiko-Betreiberpflichten kosten bis zu 15 Mio. € oder 3 % des Weltjahresumsatzes, verbotene Praktiken bis zu 35 Mio. € oder 7 %; für KMU und kleine Midcaps gilt jeweils der niedrigere Betrag. Praktisch relevanter ist die Nachweisbarkeit: Wer systematisch arbeitet und den Stand dokumentiert, steht in jeder Prüfung fundamental besser da als ein Unternehmen ohne Struktur.
Gibt es die Checkliste auch als betreute Umsetzung?
Ja — genau das ist das Mandat des externen KI-Beauftragten: Wir arbeiten die Checkliste komplett für Sie ab, vom Inventar bis zur revisionssicheren Dokumentation, und halten sie danach laufend aktuell. Pakete ab 250 € pro Monat (Fair-Use), Details auf der Kosten-Seite. Der Einstieg ist eine kostenlose Erstanalyse mit Gap-Bewertung Ihrer aktuellen Checklisten-Punkte.
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